aus Kalifornien, Frankreich, Italien, Spanien, Österreich und Deutschland. Weine voller Charakter und Stil, nicht stromlinienförmig konsumentenfreundlich, sondern mit so viel Geschmack und Ausstrahlung wie möglich; authentisch und vornehmlich aus weniger bekannten Regionen: Von der Loire, aus Cahors, dem Bergerac, dem Languedoc-Roussillon, der Rhone, aus Oregon, Washington State und Kalifornien, aus Apulien oder den Marken, von der Mosel oder dem Mostviertel.
Die dreizehn deutschen Weinregionen, von der Ahr im Norden bis nach Baden im Süden, gehören zu den nördlichsten Weinanbaugebieten der Welt. In klimatischer Grenzzone liegend zwischen dem warmen Golfstrom im Westen und dem trockenen Kontinentalklima im Osten hat der Klimawandel in den letzten Jahren im deutschen Wein für deutlich schmeckbare Veränderung gesorgt. Wenn die Weinqualität so bleiben soll wie sie ist, muß sich einiges ändern. Soll sie weiter gesteigert werden, muß sich vieles ändern. Seit etwa 2001 reifen die Trauben durch wärmere Frühlinge, eher feucht warme als heiße Sommer und einen oft trocken kühlen Herbst anders aus als in den Jahrzehnten davor. Die Winzer registrieren höhere Reifegrade und damit höhere Mostgewichte, was die Stilistik deutschen Weines nachhaltig verändert hat: Die nunmehr gehaltvolleren, reiferen Weine weisen mehr Körper auf mit milderer Säure und komplexer Aromatik; ihre Inhaltsstoffe puffern die Säure und höhere Extrakte sorgt für je nach Jahrgang, Lage und Ausbau mehr Textur, Körper und Struktur. Die zunehmend höheren Alkoholgehalte sind dabei mehr als nur ein stilistisches Problem. Dabei ist es nicht die propagierte steigende Durchschnittstemperatur, die den deutschen Winzern zu schaffen macht. Es sind die Extreme des Klimas. Ungewohnte Hitze- und Trockenperioden "zur falschen Zeit" beeinflussen das Reifeverhalten und heftige, sturzflutartige Niederschläge verlangen Reaktion im Weinberg. So konfrontierte z. B. der Extrem-Jahrgang 2006 große Teile der konventionell arbeitenden deutschen Winzerschaft hart mit der neuen Realität. Selten zeigte sich ein Jahrgang so heterogen in der Qualität. Wer sich als Winzer wie bisher auch weiterhin bequem und blind auf die Agrarchemie verläßt, wird zu Bewässerung im Weinberg und Fraktionierung im Keller greifen müssen, um Reben und Weine in Balance halten zu können. Der Klimawandel wird Deutschlands Winzer in zwei Lager spalten: diejenigen, die damit umzugehen verstehen und diejenigen, die nichts begreifen (wollen). Der sich ergebende Stilwandel verlangt neue, andere Qualitätskriterien zur Beurteilung. Spitzenweinbau wird sich anders definieren als bisher. Da sind Winzer und Journalisten, Verkoster und Kunden gleichermaßen gefordert, sie müssen sich dieser Veränderung und Herausforderung stellen. Einige der heutigen „Medien-Starwinzer“ werden mit der Entwicklung nicht mithalten können, neue werden kommen. Dabei zeichnet sich ein Trend ab, der nachhaltige Konsequenzen zeitigen wird: Einige besonders fähige Spitzenwinzer konvertieren derzeit zum naturnahen, biologischen oder komplexeren biodynamischen Weinbau. Sie möchten auf diese Weise das Potential ihrer Lagen und Böden in entsprechend „andere“, größere Weinindividualität übersetzen. Ohne die üblichen technischen Manipulationen in Weinberg und Keller. Ihre individuellen Qualitäten verweisen schon heute jene konventionelle Winzerschaft, die sich der Herausforderung nicht stellt, in klare Qualitäts-Grenzen. Damit wird auch und gerade der biologische Weinbau, wie er sich bisher versteht, mit einer gänzlich neuen Markt-Realität konfrontiert: Nur wer in Zukunft auch im Keller konsequent fort- und umsetzt, was er im Weinberg an Qualitätsgrundlagen gelegt hat, wird auf dem Markt ein Wörtchen mitreden können; der Unterschied zwischen "Bio" und "Öko" wird Bedeutung erlangen und der Begriff "Biowein" wird präzise definiert werden. Aus dem heutigen „Wein aus biologisch angebauten Trauben“ wird dann endlich "echter" Biowein werden. Es wird dann nicht mehr reichen, nur „Bio“ zu sein, denn nur spontan vergorene, „natürlicher“ ausgebaute „langsame Weine“ mit komplexer Aromatik und Struktur reflektieren den Ursprungs- und Herkunftscharakter und schmecken nach mehr. „Schnelle“ reinzuchtvergorene Weine, ob „Bio“ oder konventionell, werden sich in weiter agrartechnisierten Kellern auf weiter „beschleunigtem“ Markt wiederfinden, der mit dem „langsamen“ Qualitätsmarkt immer weniger gemein haben wird. Diese Entwicklung bereitet nicht nur der offiziellen Seite des deutschen Weinbaus zunehmend Probleme, auch die Fachpresse wird sich entscheiden müssen: Noch propagieren beide unbeirrt jenes „typisch deutsche“ Geschmacksbild, das Frische, Leichtigkeit und Fruchtigkeit vor profunden Herkunftscharakter stellt; beide stellen den unkritischen Glauben an die Machbarkeit der Technik, also an bequem hohe Erträge aus überdüngten und überspritzten Weinbergen, mit einer Weinbereitung, die sich den genormten Rezepten moderner Technik überläßt, nicht in Frage. Ihre Vorstellung von deutschem Wein dominiert nach wie vor Verkostungsergebnisse, Jurys und Prämierungen. Dieser eintönigen Perspektive des deutschen Weines versagen wir uns. Dafür widmen wir uns programmatisch jenen Winzern Deutschlands, deren Weine schonend nachhaltig und naturnah entstehen, weil sie die Natur als Partner und nicht als Gegner verstehen, im Weinberg wie im Keller. Deshalb arbeiten wir mit wenigen Betrieben zusammen, die herausragende Arbeit leisten und mit klarem Konzept ihr geschmackliches und qualitatives Credo umsetzen. Durch unser deutsches Sortiment zieht sich konzeptionell ein roter Faden: Unsere deutschen Winzer pflegen ihre Reben in nachhaltigem Verständnis für eine natürliche Balance von Rebstock und Boden. Sie wagen eigenständige Stilistik und knüpfen an alte, „erfahrungswahre“ Traditionen an, um auch künftig authentische Ursprungsweine zu produzieren; sie vergären sämtlich spontan auf natürlichen Umgebungshefen, praktizieren Maischestandzeiten auch bei Weißweinen, vergären in kleinen Gebinden, teilweise bei Umgebungstemperatur, lassen ihre Weine lange auf der Hefe reifen, filtrieren so wenig wie nötig, zentrifugieren nicht und klären ihre Moste nur schonend vor.
Das, was unsere deutschen Winzer an Qualitäten präsentieren, war stets und ist zukunftsträchtig, vielversprechend, mutig und auf jeden Fall außergewöhnlich. Mit einem derartigen Qualitätskonzept kann man sich nur wenigen Winzern intensiv persönlich widmen. Deshalb ist unser deutsches Programm so übersichtlich aber auch so konsequent, wie es ist.
® Copyright Martin Kössler Die dreizehn deutschen Weinregionen, von der Ahr im Norden bis nach Baden im Süden, gehören zu den nördlichsten Weinanbaugebieten der Welt. In klimatischer Grenzzone liegend zwischen dem warmen Golfstrom im Westen und dem trockenen Kontinentalklima im Osten hat der Klimawandel in den letzten Jahren im deutschen Wein für deutlich schmeckbare Veränderung gesorgt. Wenn die Weinqualität so bleiben soll wie sie ist, muß sich einiges ändern. Soll sie weiter gesteigert werden, muß sich vieles ändern. Seit etwa 2001 reifen die Trauben durch wärmere Frühlinge, eher feucht warme als heiße Sommer und einen oft trocken kühlen Herbst anders aus als in den Jahrzehnten davor. Die Winzer registrieren höhere Reifegrade und damit höhere Mostgewichte, was die Stilistik deutschen Weines nachhaltig verändert hat: Die nunmehr gehaltvolleren, reiferen Weine weisen mehr Körper auf mit milderer Säure und komplexer Aromatik; ihre Inhaltsstoffe puffern die Säure und höhere Extrakte sorgt für je nach Jahrgang, Lage und Ausbau mehr Textur, Körper und Struktur. Die zunehmend höheren Alkoholgehalte sind dabei mehr als nur ein stilistisches Problem. Dabei ist es nicht die propagierte steigende Durchschnittstemperatur, die den deutschen Winzern zu schaffen macht. Es sind die Extreme des Klimas. Ungewohnte Hitze- und Trockenperioden "zur falschen Zeit" beeinflussen das Reifeverhalten und heftige, sturzflutartige Niederschläge verlangen Reaktion im Weinberg. So konfrontierte z. B. der Extrem-Jahrgang 2006 große Teile der konventionell arbeitenden deutschen Winzerschaft hart mit der neuen Realität. Selten zeigte sich ein Jahrgang so heterogen in der Qualität. Wer sich als Winzer wie bisher auch weiterhin bequem und blind auf die Agrarchemie verläßt, wird zu Bewässerung im Weinberg und Fraktionierung im Keller greifen müssen, um Reben und Weine in Balance halten zu können. Der Klimawandel wird Deutschlands Winzer in zwei Lager spalten: diejenigen, die damit umzugehen verstehen und diejenigen, die nichts begreifen (wollen). Der sich ergebende Stilwandel verlangt neue, andere Qualitätskriterien zur Beurteilung. Spitzenweinbau wird sich anders definieren als bisher. Da sind Winzer und Journalisten, Verkoster und Kunden gleichermaßen gefordert, sie müssen sich dieser Veränderung und Herausforderung stellen. Einige der heutigen „Medien-Starwinzer“ werden mit der Entwicklung nicht mithalten können, neue werden kommen. Dabei zeichnet sich ein Trend ab, der nachhaltige Konsequenzen zeitigen wird: Einige besonders fähige Spitzenwinzer konvertieren derzeit zum naturnahen, biologischen oder komplexeren biodynamischen Weinbau. Sie möchten auf diese Weise das Potential ihrer Lagen und Böden in entsprechend „andere“, größere Weinindividualität übersetzen. Ohne die üblichen technischen Manipulationen in Weinberg und Keller. Ihre individuellen Qualitäten verweisen schon heute jene konventionelle Winzerschaft, die sich der Herausforderung nicht stellt, in klare Qualitäts-Grenzen. Damit wird auch und gerade der biologische Weinbau, wie er sich bisher versteht, mit einer gänzlich neuen Markt-Realität konfrontiert: Nur wer in Zukunft auch im Keller konsequent fort- und umsetzt, was er im Weinberg an Qualitätsgrundlagen gelegt hat, wird auf dem Markt ein Wörtchen mitreden können; der Unterschied zwischen "Bio" und "Öko" wird Bedeutung erlangen und der Begriff "Biowein" wird präzise definiert werden. Aus dem heutigen „Wein aus biologisch angebauten Trauben“ wird dann endlich "echter" Biowein werden. Es wird dann nicht mehr reichen, nur „Bio“ zu sein, denn nur spontan vergorene, „natürlicher“ ausgebaute „langsame Weine“ mit komplexer Aromatik und Struktur reflektieren den Ursprungs- und Herkunftscharakter und schmecken nach mehr. „Schnelle“ reinzuchtvergorene Weine, ob „Bio“ oder konventionell, werden sich in weiter agrartechnisierten Kellern auf weiter „beschleunigtem“ Markt wiederfinden, der mit dem „langsamen“ Qualitätsmarkt immer weniger gemein haben wird. Diese Entwicklung bereitet nicht nur der offiziellen Seite des deutschen Weinbaus zunehmend Probleme, auch die Fachpresse wird sich entscheiden müssen: Noch propagieren beide unbeirrt jenes „typisch deutsche“ Geschmacksbild, das Frische, Leichtigkeit und Fruchtigkeit vor profunden Herkunftscharakter stellt; beide stellen den unkritischen Glauben an die Machbarkeit der Technik, also an bequem hohe Erträge aus überdüngten und überspritzten Weinbergen, mit einer Weinbereitung, die sich den genormten Rezepten moderner Technik überläßt, nicht in Frage. Ihre Vorstellung von deutschem Wein dominiert nach wie vor Verkostungsergebnisse, Jurys und Prämierungen. Dieser eintönigen Perspektive des deutschen Weines versagen wir uns. Dafür widmen wir uns programmatisch jenen Winzern Deutschlands, deren Weine schonend nachhaltig und naturnah entstehen, weil sie die Natur als Partner und nicht als Gegner verstehen, im Weinberg wie im Keller. Deshalb arbeiten wir mit wenigen Betrieben zusammen, die herausragende Arbeit leisten und mit klarem Konzept ihr geschmackliches und qualitatives Credo umsetzen. Durch unser deutsches Sortiment zieht sich konzeptionell ein roter Faden: Unsere deutschen Winzer pflegen ihre Reben in nachhaltigem Verständnis für eine natürliche Balance von Rebstock und Boden. Sie wagen eigenständige Stilistik und knüpfen an alte, „erfahrungswahre“ Traditionen an, um auch künftig authentische Ursprungsweine zu produzieren; sie vergären sämtlich spontan auf natürlichen Umgebungshefen, praktizieren Maischestandzeiten auch bei Weißweinen, vergären in kleinen Gebinden, teilweise bei Umgebungstemperatur, lassen ihre Weine lange auf der Hefe reifen, filtrieren so wenig wie nötig, zentrifugieren nicht und klären ihre Moste nur schonend vor.
Das, was unsere deutschen Winzer an Qualitäten präsentieren, war stets und ist zukunftsträchtig, vielversprechend, mutig und auf jeden Fall außergewöhnlich. Mit einem derartigen Qualitätskonzept kann man sich nur wenigen Winzern intensiv persönlich widmen. Deshalb ist unser deutsches Programm so übersichtlich aber auch so konsequent, wie es ist. ?
Allen fehlinformierten, vorurteilsbeladenen Unkenrufen zum Trotz ist Frankreich nach wie vor das in jeder Hinsicht preiswerteste Weinland der Welt. Kein anderes Land kann mit einer derartigen Fülle von zwar manchmal weniger bekannten, dafür aber um so überraschenderen, teilweise geradezu unglaublich preiswerten Qualitäten aufwarten. Man muß natürlich offen sein für Neues und den gelegentlich "anderen" neuen Geschmäckern dieser Weine Neugier und Toleranz entgegenbringen. Doch dann wird man belohnt mit überraschend originellen und eigenständigen Weinen, von denen viele inzwischen mit ähnlicher Sorgfalt und Hingabe produziert werden, wie mancher bekannte Wein angeblich renommierterer Herkunft.
Allen vorurteilsbeladenen Unkenrufen zum Trotz: Frankreich ist nach wie vor das in jeder Hinsicht preiswerteste und spannendste, weil vielfältigste Weinland der Welt. Seine Fülle an Appellationen, also an Ursprungsbezeichnungen, schreckt aber viele, vor allem jene, die sich mit Frankreichs Weinen noch nicht beschäftigt haben, ab, weil sie auf den ersten Blick verwirrend wirkt. Doch sie macht Sinn, stehen diese Appellationen doch für die in Frankreichs Winzerschaft unbeirrt gepflegte und lebendig gehaltene Tradition der Qualität der Herkunft. Sie ist ein urfranzösisches Phänomen. Während weltweit Spitzenwinzer mittels naturnahem, biologischem oder biodynamischem Anbau ihre Weine zu individualisieren versuchen, sie von der breiten Masse zu unterscheiden und qualitativ auszureizen suchen, tun das Frankreichs Spitzenwinzer mittels eines Begriffes, der so französisch ist, wie er französischer nicht sein kann: Terroir.
Darunter versteht der Franzose ein breites Spektrum von Begriffen und Ideen, die sich alle um einen Punkt drehen: Die Qualität der Herkunft. Nach französischer Lesart muß guter Wein unmißverständlich nach seiner Herkunft schmecken. Da mögen verschiedene An- und Ausbaumethoden zur Anwendung kommen, unterschiedliche Klimata und Bodenformationen wirken, immer geht es letztlich um eines: die Qualität der Herkunft muß erkennbar und schmeckbar sein. Auf diesem Prinzip basieren französische Klassifikationen ebenso, wie das gesamte Herkunfts- also Appellationssystem Frankreichs, sei es für Wein, Käse, Oliven, Obst, Gemüse oder Fleisch. Deshalb spielen in Frankreich Bio-Produkte eine andere Rolle als sonstwo auf der Welt. Produktqualität wird dort eben weniger mit Bio im engeren Sinne in Verbindung gebracht, als traditionell mit dem Herkunftscharakter. Produkte haben in Frankreich Name, Anschrift und Gesicht. Während man in Amerika und Europa klar definierte Regeln und Standards für die Zertifikation von Bioprodukten vorgibt, leistet sich Frankreich auf diesem Gebiet seltene Unüberschaubarkeit: „lutte raisonnée“, „biodynamie“ und „permaculture“, um einige zu nennen, gehen dabei durchaus zum Teil über konventionelle Bio-Normen hinaus, sie lehnen Pestizide und Herbizide (die jeder „normale“ Franzose im genetischen Code verankert zu haben scheint, denn niemand spritzt im privaten Garten so leidenschaftlich wie der Franzose!), sowie Genmanipulation und konventionelle Agrarchemie kategorisch, ja fast schon okkultisch ab. Viele arbeiten wieder mit Pferd und Maultier im Weinberg, spritzen mit Brottrunk und Pflanzentees, kümmern sich um alte Sorten, Rassen und Arten (Association Kokopelli) und pflegen bewußt und selbstbewußt alte, vergessene Traditionen; man belebt fast vergessenes Erfahrungswissen praktisch wieder und produziert auf diese Weise herausragende Qualitäten. Deshalb ist in Frankreich Qualität nicht zwangsläufig auch eine Frage von „Bio“, obwohl viele Winzer der qualitativen Spitze biologisch-organisch wirtschaften. Manche von ihnen täten sich vermutlich leichter mit dem Verkauf, wenn sie sich entsprechend zertifizieren lassen würden. Doch weil das in Frankreich bislang vorwiegend Weinproduzenten mit weniger attraktiven Terroirs tun, die ihre mehr oder weniger gelungenen Weine so auf den Biomärkten der Welt abzusetzen versuchen, bestätigen wenige Ausnahmen die allgemeine Regel: Viele der französischen Spitzenwinzer halten Organisationen für überflüssig, scheuen hohe Zertifizierungsgebühren, lehnen Vertriebs- und sonstige Gemeinschaften kategorisch ab, pflegen ihren gallischen Individualismus und widmen sich stattdessen mit Hingabe ihren Terroirs. Viele von ihnen halten, danach befragt, „Bio“ noch immer für eine Marketingidee; sie produzieren ihre Trauben durchaus biologisch bzw. ökologisch, zertifizieren lassen sich aber nur wenige. Sie bauen darauf, daß ihre Weine nach wie vor und unbestritten Spitzenklasse sind, weil sie jenes gewisse Etwas haben, das sie von so vielen anderen Weinen der Welt unterscheidet. Ein Etwas, das schwer zu formulieren ist, sie aber entscheidend prägt: Terroir.
Doch so, wie die einst glorreiche französische Küche unter leeren Tischen und Wahnsinnspreisen in hochdekorierten, aber steifen, wenig lebensfrohen Restaurants leidet, so sieht sich auch der französische Wein seit ein paar Jahren mit einer historischen Absatzkrise konfrontiert. Hat die elitäre französische Agrarkultur mit ihrem Konzept des „Terroirs“ ausgedient, hat sie noch Zukunft?
Letztlich geht es darum, ob für die globale Vermarktung von Weinen tatsächlich noch Herkunft, Mikroklima und Bodenformation entscheidend sind, oder ob technisch perfekte Weinbereitung den Wein für den Kunden und Käufer zum mundgerechten Erlebnis werden läßt. Unmißverständliche Herkunft gegen global kompatible Technik. Hier prallen zwei grundsätzlich gegensätzliche Welten aufeinander: Der wenig kommunikative französische Winzer, dessen Wein Jahrhunderte lang den Markt dominierte, trifft auf den marktorientierten Önologen und Weinmacher, der die Technik im Keller für den entscheidenden Vorzug seiner Qualität hält. Der globale Erfolg scheint bislang dem Konzept der technischen Weinbereitung recht zu geben. Die Offiziellen des französischen Weinbaus wollen deshalb das Appellationssystem reformieren. Es sei zu undurchsichtig und zu kompliziert, nicht mehr zeitgemäß. Warum aber widmen sich immer mehr kundige Weintrinker, Sommeliers und Weinhändler in Europa, vor allem aber auch auf den boomenden Märkten Amerikas und Asiens, mit zunehmendem Enthusiasmus ausgerechnet diesem "komplizierten" System der Ursprungsqualität mit seinen "komplizierten" regionalen Herkunftscharakteren? Weil sie des langweiligen Technik-Unisonos globaler Wein- und Önologenstilistik müde sind! Sie entwickeln zunehmend wieder Sinn für und Lust auf Individualität und Ursprungs- und Herkunftscharakter, kurz Qualität und Vielfalt. So könnte die Vergangenheit zur Zukunft werden für Frankreichs gute Weine, zumindest in einer Nische des Marktes. Vieles spricht für diese Entwicklung. Denn aus dem sturen französischen Beharren auf dem Begriff des „Terroirs“ ist für viele Spitzenwinzer in aller Welt ein Leitbild geworden, dem sie konsequent und mit Engagement folgen: Der Terroir-Gedanke als notwendige Voraussetzung, um Wein individuell handwerkliche statt industriell genormte Qualität zu vermitteln, d.h. ihm unverkennbaren Ursprungscharakter zu entlocken, ihn einmalig zu machen im Sinne seiner Herkunft. Immer mehr Winzer versuchen das mittels Bioanbau und Biodynamik in Keller und Weinberg. Diese Winzer werden den Weinmarkt in den nächsten Jahren nachhaltig und grundlegend verändern. Sie werden ihn in zwei gegensätzlich verschiedene Lager aufspalten: Bloße risikoscheue Technik einerseits und Terroir und Handwerk auf der Höhe der Zeit andererseits. Damit werden sie Frankreichs sture Winzerschaft zur Reaktion zwingen. Weil weltweit der Spitzenweinbau in Zukunft biologisch bzw. biodynamisch wirtschaften wird, was mit Blick auf den Klimawandel fast zwangsläufig geschehen muß, werden sich auch französische Spitzenwinzer diesem Trend anpassen und sich zertifizieren lassen müssen, abseits jenes Billig-Bio-Marktes, den sie aus gutem Grund bislang ablehnen. Ihr Terroir verlieren sie deshalb nicht, im Gegenteil, sie etablieren damit einen neuen hochwertigen Biowein-Markt, der den bisherigen Markt der eher billigen Bioweine nachhaltig verändern wird. In Amerika, dem Land der Extreme, geht der Bio-Gedanke bereits weit über Wein und Lebensmittel hinaus. Man denkt dort schon (z. B. an der Westküste) in ganzheitlichen Energiesystemen für eine neue Lebensqualität voraus, die „Öko“, dort „organic“, als Voraussetzung für eine verbesserte Qualität des täglichen Lebens begreift. Bei uns wird es noch dauern, bis sich dieser notwendige Sinneswandel durchsetzen wird. Aber vielleicht verstehen dann nicht nur französische Spitzenwinzer den Terroirgedanken als das, was er wirklich ist: weit über die reine Herkunft hinausgehende "wahre" Produktqualität.
Frankreichs weniger bekannte Appellationen verkaufen sich abseits der allmächtigen, preislich aber völlig irrelevant übertriebenen Bordeaux und Burgund nicht von alleine. Doch es lohnt sich, unser vielfältiges Programm an nicht alltäglichen französischen Winzern und Weinen zu studieren. Es bietet zu überaus realistischen Preisen spannende, interessante, die geschmackliche Vielfalt bereichernde individuelle Qualitäten, die es mit den großen Namen Bordeaux und dem Minenfeld Burgunds allemal aufnehmen können. Unser Frankreich-Programm setzt unserer Philosophie der kompromißlos handwerklichen Herstellung Glanzlichter auf.
Copyright ® K&U Allen vorurteilsbeladenen Unkenrufen zum Trotz: Frankreich ist nach wie vor das in jeder Hinsicht preiswerteste und spannendste, weil vielfältigste Weinland der Welt. Seine Fülle an Appellationen, also an Ursprungsbezeichnungen, schreckt aber viele, vor allem jene, die sich mit Frankreichs Weinen noch nicht beschäftigt haben, ab, weil sie auf den ersten Blick verwirrend wirkt. Doch sie macht Sinn, stehen diese Appellationen doch für die in Frankreichs Winzerschaft unbeirrt gepflegte und lebendig gehaltene Tradition der Qualität der Herkunft. Sie ist ein urfranzösisches Phänomen. Während weltweit Spitzenwinzer mittels naturnahem, biologischem oder biodynamischem Anbau ihre Weine zu individualisieren versuchen, sie von der breiten Masse zu unterscheiden und qualitativ auszureizen suchen, tun das Frankreichs Spitzenwinzer mittels eines Begriffes, der so französisch ist, wie er französischer nicht sein kann: Terroir.
Darunter versteht der Franzose ein breites Spektrum von Begriffen und Ideen, die sich alle um einen Punkt drehen: Die Qualität der Herkunft. Nach französischer Lesart muß guter Wein unmißverständlich nach seiner Herkunft schmecken. Da mögen verschiedene An- und Ausbaumethoden zur Anwendung kommen, unterschiedliche Klimata und Bodenformationen wirken, immer geht es letztlich um eines: die Qualität der Herkunft muß erkennbar und schmeckbar sein. Auf diesem Prinzip basieren französische Klassifikationen ebenso, wie das gesamte Herkunfts- also Appellationssystem Frankreichs, sei es für Wein, Käse, Oliven, Obst, Gemüse oder Fleisch. Deshalb spielen in Frankreich Bio-Produkte eine andere Rolle als sonstwo auf der Welt. Produktqualität wird dort eben weniger mit Bio im engeren Sinne in Verbindung gebracht, als traditionell mit dem Herkunftscharakter. Produkte haben in Frankreich Name, Anschrift und Gesicht. Während man in Amerika und Europa klar definierte Regeln und Standards für die Zertifikation von Bioprodukten vorgibt, leistet sich Frankreich auf diesem Gebiet seltene Unüberschaubarkeit: „lutte raisonnée“, „biodynamie“ und „permaculture“, um einige zu nennen, gehen dabei durchaus zum Teil über konventionelle Bio-Normen hinaus, sie lehnen Pestizide und Herbizide (die jeder „normale“ Franzose im genetischen Code verankert zu haben scheint, denn niemand spritzt im privaten Garten so leidenschaftlich wie der Franzose!), sowie Genmanipulation und konventionelle Agrarchemie kategorisch, ja fast schon okkultisch ab. Viele arbeiten wieder mit Pferd und Maultier im Weinberg, spritzen mit Brottrunk und Pflanzentees, kümmern sich um alte Sorten, Rassen und Arten (Association Kokopelli) und pflegen bewußt und selbstbewußt alte, vergessene Traditionen; man belebt fast vergessenes Erfahrungswissen praktisch wieder und produziert auf diese Weise herausragende Qualitäten. Deshalb ist in Frankreich Qualität nicht zwangsläufig auch eine Frage von „Bio“, obwohl viele Winzer der qualitativen Spitze biologisch-organisch wirtschaften. Manche von ihnen täten sich vermutlich leichter mit dem Verkauf, wenn sie sich entsprechend zertifizieren lassen würden. Doch weil das in Frankreich bislang vorwiegend Weinproduzenten mit weniger attraktiven Terroirs tun, die ihre mehr oder weniger gelungenen Weine so auf den Biomärkten der Welt abzusetzen versuchen, bestätigen wenige Ausnahmen die allgemeine Regel: Viele der französischen Spitzenwinzer halten Organisationen für überflüssig, scheuen hohe Zertifizierungsgebühren, lehnen Vertriebs- und sonstige Gemeinschaften kategorisch ab, pflegen ihren gallischen Individualismus und widmen sich stattdessen mit Hingabe ihren Terroirs. Viele von ihnen halten, danach befragt, „Bio“ noch immer für eine Marketingidee; sie produzieren ihre Trauben durchaus biologisch bzw. ökologisch, zertifizieren lassen sich aber nur wenige. Sie bauen darauf, daß ihre Weine nach wie vor und unbestritten Spitzenklasse sind, weil sie jenes gewisse Etwas haben, das sie von so vielen anderen Weinen der Welt unterscheidet. Ein Etwas, das schwer zu formulieren ist, sie aber entscheidend prägt: Terroir.
Doch so, wie die einst glorreiche französische Küche unter leeren Tischen und Wahnsinnspreisen in hochdekorierten, aber steifen, wenig lebensfrohen Restaurants leidet, so sieht sich auch der französische Wein seit ein paar Jahren mit einer historischen Absatzkrise konfrontiert. Hat die elitäre französische Agrarkultur mit ihrem Konzept des „Terroirs“ ausgedient, hat sie noch Zukunft?
Letztlich geht es darum, ob für die globale Vermarktung von Weinen tatsächlich noch Herkunft, Mikroklima und Bodenformation entscheidend sind, oder ob technisch perfekte Weinbereitung den Wein für den Kunden und Käufer zum mundgerechten Erlebnis werden läßt. Unmißverständliche Herkunft gegen global kompatible Technik. Hier prallen zwei grundsätzlich gegensätzliche Welten aufeinander: Der wenig kommunikative französische Winzer, dessen Wein Jahrhunderte lang den Markt dominierte, trifft auf den marktorientierten Önologen und Weinmacher, der die Technik im Keller für den entscheidenden Vorzug seiner Qualität hält. Der globale Erfolg scheint bislang dem Konzept der technischen Weinbereitung recht zu geben. Die Offiziellen des französischen Weinbaus wollen deshalb das Appellationssystem reformieren. Es sei zu undurchsichtig und zu kompliziert, nicht mehr zeitgemäß. Warum aber widmen sich immer mehr kundige Weintrinker, Sommeliers und Weinhändler in Europa, vor allem aber auch auf den boomenden Märkten Amerikas und Asiens, mit zunehmendem Enthusiasmus ausgerechnet diesem "komplizierten" System der Ursprungsqualität mit seinen "komplizierten" regionalen Herkunftscharakteren? Weil sie des langweiligen Technik-Unisonos globaler Wein- und Önologenstilistik müde sind! Sie entwickeln zunehmend wieder Sinn für und Lust auf Individualität und Ursprungs- und Herkunftscharakter, kurz Qualität und Vielfalt. So könnte die Vergangenheit zur Zukunft werden für Frankreichs gute Weine, zumindest in einer Nische des Marktes. Vieles spricht für diese Entwicklung. Denn aus dem sturen französischen Beharren auf dem Begriff des „Terroirs“ ist für viele Spitzenwinzer in aller Welt ein Leitbild geworden, dem sie konsequent und mit Engagement folgen: Der Terroir-Gedanke als notwendige Voraussetzung, um Wein individuell handwerkliche statt industriell genormte Qualität zu vermitteln, d.h. ihm unverkennbaren Ursprungscharakter zu entlocken, ihn einmalig zu machen im Sinne seiner Herkunft. Immer mehr Winzer versuchen das mittels Bioanbau und Biodynamik in Keller und Weinberg. Diese Winzer werden den Weinmarkt in den nächsten Jahren nachhaltig und grundlegend verändern. Sie werden ihn in zwei gegensätzlich verschiedene Lager aufspalten: Bloße risikoscheue Technik einerseits und Terroir und Handwerk auf der Höhe der Zeit andererseits. Damit werden sie Frankreichs sture Winzerschaft zur Reaktion zwingen. Weil weltweit der Spitzenweinbau in Zukunft biologisch bzw. biodynamisch wirtschaften wird, was mit Blick auf den Klimawandel fast zwangsläufig geschehen muß, werden sich auch französische Spitzenwinzer diesem Trend anpassen und sich zertifizieren lassen müssen, abseits jenes Billig-Bio-Marktes, den sie aus gutem Grund bislang ablehnen. Ihr Terroir verlieren sie deshalb nicht, im Gegenteil, sie etablieren damit einen neuen hochwertigen Biowein-Markt, der den bisherigen Markt der eher billigen Bioweine nachhaltig verändern wird. In Amerika, dem Land der Extreme, geht der Bio-Gedanke bereits weit über Wein und Lebensmittel hinaus. Man denkt dort schon (z. B. an der Westküste) in ganzheitlichen Energiesystemen für eine neue Lebensqualität voraus, die „Öko“, dort „organic“, als Voraussetzung für eine verbesserte Qualität des täglichen Lebens begreift. Bei uns wird es noch dauern, bis sich dieser notwendige Sinneswandel durchsetzen wird. Aber vielleicht verstehen dann nicht nur französische Spitzenwinzer den Terroirgedanken als das, was er wirklich ist: weit über die reine Herkunft hinausgehende "wahre" Produktqualität.
Frankreichs weniger bekannte Appellationen verkaufen sich abseits der allmächtigen, preislich aber völlig irrelevant übertriebenen Bordeaux und Burgund nicht von alleine. Doch es lohnt sich, unser vielfältiges Programm an nicht alltäglichen französischen Winzern und Weinen zu studieren. Es bietet zu überaus realistischen Preisen spannende, interessante, die geschmackliche Vielfalt bereichernde individuelle Qualitäten, die es mit den großen Namen Bordeaux und dem Minenfeld Burgunds allemal aufnehmen können. Unser Frankreich-Programm setzt unserer Philosophie der kompromißlos handwerklichen Herstellung Glanzlichter auf.
Seit über 300 Jahren wächst in Italien Wein, doch der Qualitätsweinbau ist kaum 30 Jahre jung. Erst Mitte der 70er Jahre kamen die ersten modern vinifizierten Weine auf den Markt, die die rustikalen Konsumweine, die man bis dahin produzierte, ablösten. Dem folgte in den Achtziger Jahren ein ungeahnter Boom und ein wirtschaftlicher Aufschwung, der noch immer anhält, auch wenn sich erste Anzeichen der Abkühlung ankündigen. Die Qualitäten stagnierten in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen, die Preise explodierten zugleich und Italien droht sein größtes Erbe, die ungeheure Vielzahl interessanter alter Rebsorten, an die Weltwein-Sorten Chardonnay und Cabernet/Merlot zu verlieren - eine historische Fehlentscheidung.
Der typische Freund italienischer Weine ist ein fröhlicher Mensch und besonders emotionaler Weintrinker. Er schwelgt beim Trinken gern in Urlaubserinnerungen und freut sich schon auf seinen nächsten Urlaub in südlichen Gefilden, sobald er “seinen” Wein im Glas hat. Authentischer Weincharakter oder Terroireinfluß interessieren ihn dabei so wenig, wie sich die Italiener dafür interessieren. Es ist kein Wunder, daß es bis heute kein präzises Kartenmaterial über italienische Weinlagen gibt, weil Italien - als eines der ältesten Weinländer der Welt (und einer der größten Subventionsempfänger in diesem Sektor) – noch immer kein Rebkataster (Schedario Viticolo) hat. Der Zusammenhang von Herkunft und Qualität interessiert also in Italien wenig. Zwar werden Lagennamen und Crus intensiv auf den Etiketten benutzt, doch das hat mehr mit Vermarktung als tatsächlich nachvollziehbarer Herkunfts-Charakteristik zu tun. Einzig im Piemont gibt es ein System von Lagen, das auf Terroir- bzw. Lageneinfluß basiert. Es geht auf die Franzosen zurück. Um einen Zusammenhang zwischen dem Subventionsbezug und entsprechend gemeldeten Rebfläche herzustellen, vermaß die EU vor ein paar Jahren Italien systematisch via Satellit. Das Ergebnis kam einer Sensation gleich. Wie beim Olivenöl, wo es um riesigen Subventionsbetrug geht, stellte man auch beim Wein gänzlich andere Flächen unter Reben fest, als erklärt worden waren. So entdeckte man mehrere tausend Hektar schwarz angebauter Reben, fand heraus, daß viel zu große Flächen deklariert worden waren und viele hundert Hektar hochwertiger Lagen an Hängen und Hügeln, für die EU-Subventionen gezahlt worden waren, gar nicht bepflanzt worden waren. Stattdessen hatte man auf riesigen agrarindustriellen Flächen in den Ebenen anspruchslose Lagen geschaffen, die entsprechend Ertrag bringen. Zwar monierte die EU die dramatischen Abweichungen zwischen erklärten und tatsächlichen Weinbergsflächen in Höhe von Tausenden von Hektaren, doch die Angelegenheit ist längst ohne irgendwelche Konsequenzen in den Schubladen der Bürokraten verschwunden. So gibt es nach wie vor keine wirklich greifende Mengenbeschränkung in Italien und ein Qualitätskonzept entsprechend prädestinierter Terroirs, Lagen oder Klimazonen ist noch nicht einmal im Ansatz entwickelt. Wieder einmal versagt die europäische Agrarpolitik grundsätzlich. Geredet wird natürlich in großen Worten, aber in Italien interessiert ursprüngliche Weinqualität die meisten Winzer nur peripher. Das Gesetz der DOCG-, DOC- und IGT-Einteilungen entpuppt sich bei Licht betrachtet als skandalöse Jubelpleite, die mit Qualitätsverbesserung oder Markttransparenz nichts zu tun hat. Sie sind ein Politikum: Es geht um viel Geld aus Brüssel und Politiker und Weinjournalisten ziehen deshalb am gleichen Strang. Die undurchsichtige Allianz von Jubelpresse und Politik hat auf diese Weise katastrophale Fehlentwicklungen im italienischen Weinbau zu verantworten. So war ausgerechnet der zur „Slow Food“-Bewegung gehörende Weinführer „Gambero Rosso“ maßgeblich am Exodus italienischer Weinkultur beteiligt. Zwanzig Jahre lang predigte er die Pflanzung „edler Rebsorten“ (Cabernet und Chardonnay) und die Rodung sogenannter unedler Rebsorten, Italiens autochthonem Vermächtnis. Heute besinnt man sich eines Besseren, doch vieles ist zerstört, agrarindustrielle Strukturen sind geschaffen und mit authentischer Weinkultur hat Italien nach wie vor nicht viel im Sinn. Symptomatisches Beispiel der Identitätskrise: 1999 kürte der „Gambero Rosso“ eine Cabernet-Petit-Verdot-Cuvée des toskanischen „Castello di Rampolla“ als typisch und modellhaft zum Wein des Jahres. Gut gemachte Kopien des Weltweingeschmacks oder was dafür gehalten wurde waren in Italien über Jahrzehnte der Maßstab aller Dinge.
Grundsätzliches Umdenken ist nicht in Sicht. Italien ist dabei, sich endgültig aus dem Markt zu katapultieren. Auf der einen Seite jagt ein Skandal den anderen, um den Geiz-ist-geil-Weintrinker mit Billigstweinen aus industrieller Fälschungsproduktion in riesigen Mengen versorgen zu können, auf der anderen Seite haben irrwitzig gestiegene Preise in den Renommierregionen inzwischen den Bodenkontakt verloren. Viele der geforderten Preise sind lächerlich überzogen und mögen der Eitelkeit ihrer Käufer dienen, wir akzeptieren sie nicht.
Doch es gibt überall in Italien lobenswerte Ausnahmen von obiger Regel. Das Bemühen um seriöse Qualität ist und bleibt in Italien aber bislang Sache einzelner Winzer. Statt diese engagierten, ehrlichen Winzer zu fördern und zu animieren, opfert Italien seine Identität gnadenlos einem schnellen Konsum. Es ist heute einfacher, Italiens bekannte Etiketten nach der Handschrift ihrer Önologen zu kategorisieren, als nach Herkunftscharakter oder regionaler Eigenart. Doch Italien wäre nicht Italien, würde sich nicht auch Widerstand formieren. Bewegungen wie „Vini veri“, die „wahren Weine“, und andere Winzervereinigungen weisen den Weg in eine andere Zukunft Italiens: Sie beschäftigen sich mit Blick auf individuelle Qualität im Zeichen eines sich abzeichnenden globalisierten Weingeschmacks und des nicht länger zu übersehenden Klimawandels ernsthaft mit Biodynamik, setzen ausschließlich auf alte angestammte Rebsorten und maximal schonende, d.h. handwerkliche statt technischer Weinbereitung. Sie stellen dynamisch „andere“ Weinqualitäten vor, die, typisch italienisch, manchmal auch etwas extrem geraten. Aber es ist ihre Dynamik der Gegenreaktion, die hoffen läßt für die Zukunft der seriösen Winzer und die Qualität der Weine Italiens.
Italiens Stärke waren und sind seine vielfältigen alten Rebsorten und seine ursprünglichen, regionalen Weincharaktere, denen K&U seit einem Vierteljahrhundert auf der Spur ist. Ein Valpolicella, ein Lagrein, ein Teroldego, ein Chianti, ein Dolcetto, ein Tazzelenghe, ein Nero di Troia oder ein Nero d´Avola waren sind und bleiben Regionalweine. Sie schmecken nicht global und sind alles andere als weltmarktkompatibel, weil sie regional verwurzelt sind in ihrer Küche und der Historie ihres Regionalgeschmacks. Sie basieren meist auf einfachen Alltagsweinen und liefern, selbst wenn mit großen Ambitionen produziert, regionalen Charakter individueller Eigenart und einer Typizität, die nicht viele andere Weinnationen der Welt so bieten können. Seit 25 Jahren bemühen wir uns um ein „typisches“ Italienprogramm und konzentrieren unser Programm auf vergleichsweise wenige authentische Weine voller Charakter und Originalität, „typisch italienisch“ im beschriebenen Sinne, bewußt nicht im Sinne jener omnipräsenten, leider tatsächlich typisch italienischen Onologen-Uniformität, die Italiens Weinszene heute dominiert. Unsere italienischen Winzer und Weine konnten und können im Konzert der Charakterweine der Welt mitspielen, mit manchmal ungewohntem, bisweilen vielleicht sogar auf den ersten Schluck unbequemem, immer aber unverwechselbarem Regionalcharakter. Typisch Italien.
Copyright ® Martin Kössler Der typische Freund italienischer Weine ist ein fröhlicher Mensch und ein besonders emotionaler Weintrinker. Er schwelgt beim Trinken schon in Urlaubserinnerungen und freut sich auf seinen nächsten Urlaub in südlichen Gefilden, sobald er “seinen” Wein im Glas hat. Authentischer Weincharakter oder Terroireinfluß interessieren ihn dabei wenig, wie sich auch die Italiener selbst dafür kaum interessieren. Es ist kein Wunder, daß es bis heute kein präzises Kartenmaterial über italienische Weinlagen gibt, weil Italien - als eines der ältesten Weinländer der Welt (und einer der größten Subventionsempfänger in diesem Sektor) – noch immer kein Rebkataster (Schedario Viticolo) hat. Der Zusammenhang von Herkunft und Qualität interessiert in Italien wenig. Zwar werden Lagennamen und Crus intensiv auf den Etiketten benutzt, doch das hat mehr mit Marketing als nachvollziehbarer Herkunfts-Charakteristik zu tun. Einzig im Piemont gibt es ein System von Lagen, das auf Terroir- bzw. Lageneinfluß basiert. Es geht auf die Franzosen zurück. Um einen Zusammenhang zwischen dem Subventionsbezug und entsprechend gemeldeten Rebfläche herzustellen, vermaß die EU vor ein paar Jahren Italien systematisch via Satellit. Das Ergebnis kam einer Sensation gleich. Wie beim Olivenöl, wo es um riesigen Subventionsbetrug geht, stellte man auch beim Wein gänzlich andere Flächen unter Reben fest, als erklärt worden waren. So entdeckte man mehrere tausend Hektar schwarz angebauter Reben, fand heraus, daß viel zu große Flächen deklariert worden waren und viele hundert Hektar hochwertiger Lagen an Hängen und Hügeln, für die EU-Subventionen gezahlt worden waren, gar nicht bepflanzt worden waren. Stattdessen hatte man auf riesigen agrarindustriellen Flächen in Ebenen anspruchslose Lagen geschaffen, die entsprechend Ertrag bringen. Zwar monierte die EU die dramatischen Abweichungen zwischen erklärten und tatsächlichen Weinbergsflächen in Höhe von Tausenden von Hektaren, doch die Angelegenheit ist ohne sichtbare Konsequenzen in den Schubladen der Bürokraten verschwunden. So gibt es nach wie vor keine wirklich greifende Mengenbeschränkung in Italien und ein Qualitätskonzept entsprechend prädestinierter Terroirs, Lagen oder Klimazonen ist nicht einmal im Ansatz entwickelt. Wieder einmal versagt die europäische Agrarpolitik grundsätzlich. Geredet wird natürlich in großen Worten, aber in Italien interessiert ursprüngliche Weinqualität die meisten Winzer nur peripher. Das Gesetz der DOCG-, DOC- und IGT-Einteilungen entpuppt sich bei Licht betrachtet als skandalöse Jubelpleite, die mit Qualitätsverbesserung oder Markttransparenz nicht viel zu tun hat. Sie sind eher ein Politikum. Es geht um viel Geld aus Brüssel und Politiker und Weinjournalisten ziehen deshalb am gleichen Strang. Die undurchsichtige Allianz von Jubelpresse und Politik hat auf diese Weise katastrophale Fehlentwicklungen im italienischen Weinbau zu verantworten. So war ausgerechnet der zur „Slow Food“-Bewegung gehörende Weinführer „Gambero Rosso“ maßgeblich am Exodus italienischer Weinkultur beteiligt. Zwanzig Jahre lang predigte er die Pflanzung „edler Rebsorten“ (Cabernet und Chardonnay) und die Rodung sogenannter unedler Rebsorten, Italiens autochthonem Vermächtnis. Heute besinnt man sich eines Besseren, doch vieles ist zerstört, agrarindustrielle Strukturen sind geschaffen und mit authentischer Weinkultur hat Italien nach wie vor nicht viel im Sinn. Symptomatisches Beispiel der Identitätskrise: 1999 kürte der „Gambero Rosso“ eine Cabernet-Petit-Verdot-Cuvée des toskanischen „Castello di Rampolla“ als typisch und modellhaft zum Wein des Jahres. Gut gemachte Kopien des Weltweingeschmacks, oder was dafür gehalten wurde, waren so in Italien über Jahrzehnte der Maßstab aller Dinge.
Grundsätzliches Umdenken ist nicht in Sicht. Italien ist dabei, sich endgültig aus dem Markt zu katapultieren. Auf der einen Seite jagt ein Skandal den anderen, um den Geiz-ist-geil-Weintrinker mit Billigstweinen aus industrieller Fälschungsproduktion in riesigen Mengen versorgen zu können, auf der anderen Seite haben viele Preise in den Renommierregionen inzwischen den Bodenkontakt verloren. Sie sind zum Teil lächerlich überzogen und mögen der Eitelkeit ihrer Käufer dienen, wir akzeptieren sie nicht.
Doch es gibt gerade und auch in Italien lobenswerte Ausnahmen obiger Regel. Das Bemühen um seriöse Qualität ist und bleibt dort aber bislang Sache einzelner Winzer. Statt diese engagierten, ehrlichen Winzer zu fördern und zu animieren, opfert Italien seine Identität gnadenlos einem schnellen Konsum. Es ist heute einfacher, Italiens bekannte Etiketten nach der Handschrift ihrer Önologen zu kategorisieren, als nach Herkunftscharakter oder regionaler Eigenart. Doch Italien wäre nicht Italien, würde sich nicht auch Widerstand formieren. Bewegungen wie „Vini veri“, die „wahren Weine“, und andere Winzervereinigungen weisen den Weg in eine andere Zukunft Italiens: Sie beschäftigen sich mit Blick auf individuelle Qualität im Zeichen eines sich abzeichnenden globalisierten Weingeschmacks und des nicht länger zu übersehenden Klimawandels ernsthaft mit Biodynamik, setzen ausschließlich auf alte angestammte Rebsorten und maximal schonende, d.h. handwerkliche statt technischer Weinbereitung. Sie stellen dynamisch „andere“ Weinqualitäten vor, die, typisch italienisch, manchmal durchaus etwas extrem geraten. Aber es ist diese Dynamik der Gegenreaktion, die hoffen läßt für die Zukunft der seriösen Winzer und Weine Italiens.
Italiens Stärke waren und sind seine vielfältigen alten Rebsorten und seine ursprünglichen, regionalen Weincharaktere, denen K&U seit einem Vierteljahrhundert auf der Spur ist. Ein Valpolicella, ein Lagrein, ein Teroldego, ein Chianti, ein Dolcetto, ein Tazzelenghe, ein Nero di Troia oder ein Nero d´Avola waren, sind und bleiben Regionalweine. Sie schmecken nicht global und sind alles andere als weltmarktkompatibel, weil sie regional verwurzelt sind in Küche und Historie ihres Regionalgeschmacks. Sie basieren meist auf einfachen Alltagsweinen und liefern, selbst wenn mit großen Ambitionen produziert, regionalen Charakter individueller Eigenart und einer Typizität, die nicht viele andere Weinnationen der Welt so bieten können. Seit 25 Jahren bemühen wir uns um ein „typisches“ Italienprogramm und konzentrieren unser Programm auf vergleichsweise wenige authentische Weine voller Charakter und Originalität, „typisch italienisch“ im beschriebenen Sinne, bewußt nicht im Sinne jener omnipräsenten, leider tatsächlich typisch italienischen Onologen-Uniformität, die Italiens Weinszene heute dominiert. Unsere italienischen Winzer und Weine konnten und können im Konzert der Charakterweine der Welt mitspielen, mit manchmal ungewohntem, bisweilen vielleicht sogar auf den ersten Schluck unbequemem, immer aber unverwechselbarem Regionalcharakter. Typisch Italien.
Keine andere Weinbauregion Europas kann derzeit solch rasante Zuwachsraten im Export verzeichnen, wie Spanien. Das liegt unter anderem daran, daß Italien, bis dahin Liebling nicht nur der Toscana-Fraktion, qualitativ und preislich in den letzten Jahren fast schon systematisch seine Anhänger vergraulte. Es provozierte geradezu die Suche nach Alternativen, und so sind es nicht umsonst viele Italienimporteure, die sich inzwischen mit einem Spaniensortiment versuchen. Ihre dramatisch rückläufigen Umsätze zwangen sie nach einem zweiten Bein für ihr Geschäft zu suchen, und da liegt Spanien näher als irgendein anderes Land: Der an prägnante und stets etwas trockene kurze Tannine gewöhnte italienische Gaumen hat mit dem vor allem durch geballte Holzladungen geprägten traditionellen spanischen Nationalgeschmack, mit seiner ebenfalls sehr spezifischen Tanninstruktur, keine Schwierigkeiten.
Spanien ist, zahlreiche intensive Reisen mit Winzerbesuchen im ganzen Land bestätigen es immer wieder, nicht unser bevorzugtes Weinland!
Das mag an der doch sehr unterschiedlichen Mentalität liegen; es mag daran liegen, daß wir die Sprache nicht beherrschen; Tatsache ist, daß es uns bislang, bis auf wenige Ausnahmen, nicht gelang, unsere Qualitätsphilosophie in Spanien in ein entsprechend stimmiges Weinprogramm umzusetzen.
Entweder, man trifft in Spanien auf ungewöhnlich große Betriebe – der Spanier liebt es nun mal „grande“ -, die unserer Qualitätsphilosophie per se entgegenstehen, oder man hat es mit überaus stolzen und selbstbewußten Önologen zu tun, die entweder alles besser wissen oder aber den immer gleichen Kanon üblicher Spitzenweintechnologie herunterbeten, der weltweit zur allgegenwärtigen Standardisierung auf höchstem technischem Niveau geführt hat.
Kleine, individuell arbeitende Betriebe, die eigenständige, charaktervolle und vielleicht sogar ungewöhnliche Weine produzieren, muß man mit der Lupe suchen.
In Spaniens Weinindustrie spielt der Export, und damit der Preis, eine tragende Rolle. Entweder kann es nicht billig genug sein („Sagen Sie, was Sie brauchen, wir machen Ihnen das“, haben wir mehr als einmal gehört; „Wir können besser und billiger produzieren als die neue Welt“ scheint ein weiterer beliebter Leitsatz unter Spaniens Winzern zu sein), oder der Preis wird hoch gehalten, um Image und Qualität zu suggerieren, wie das im Priorato, der Rioja oder Ribera del Duero erfolgreich praktiziert wird. Spaniens national verwurzeltes Geschmacksideal ist ziemlich klar fixiert; es lebt vom deutlichen Holzeinsatz, leider meist aus billiger amerikanischer Eiche, frönt einer zunehmend kommerziell ausgerichteten Fruchtigkeit, die auf hochwertige Gerbstoffe ebenso verzichtet, wie sie von Frische oder Finesse noch nie gehört zu haben scheint, und baut ansonsten auf die Macht der Technik – Spaniens Rebkultur ist eher rückständig, vertraut vermeintlicher Tradition, richtet aber im Keller, was aus dem Weinberg nicht zu holen ist. Es ist unvorstellbar, mit welcher Brachialgewalt riesige Areale von Bulldozern eingeebnet werden, um sie in maschinenbearbeitbare Rebflächen umzuwandeln; Reberziehung und Neuanlagen werden nach Produktionskosten gestaltet, nicht nach optimaler Qualität. All das geschieht mit Milliardensubventionen seitens der EU. Die haben Spanien schon im Gemüseanbau zum negativen Vorbild gemacht - was früher Hollandgemüse war (das schließlich keiner mehr haben wollte), kommt heute großindustriell aus Spanien.
Daß es auch anders geht, beweisen kleine handwerklich arbeitende Winzerbetriebe, wie es sie in jeder anderen Weinnation Europas auch gibt. Doch sie sind in Spanien rarer als anderswo. Meist sind sie schon im Export vertreten. Und wenn sie wirklich gut sind, ist ihr Preisniveau so selbstbewußt, daß es Alternativen gibt - dann muß es, zumindest für uns, nicht unbedingt Spanien sein. Keine andere Weinbauregion der Welt kann ähnlich rasante Zuwachsraten in Produktion und Export von Wein verzeichnen wie Spanien. Das liegt auch daran, daß spanischer Wein derzeit der höchst subventionierte in der Europäischen Gemeinschaft ist. Spanien darf mehr als andere, z. B. bis in die Ernte hinein bewässern, nach klaren Vorgaben zwar, doch wer will die kontrollieren. Dadurch ist spanischer Konsumwein per se nicht nur strukturell leichter und „harmloser“ geworden, sondern auch noch tankstellen- und supermarkttauglicher. Der stets etwas trocken wirkende, durch einschlägige Holzaromen dominierte spanische Nationalgeschmack verführt Anfänger und Billigtrinker gleichermaßen mit seiner süßen, simplen, eingängigen Gerbstoffstruktur und oberflächlichen „Fruchtigkeit“. Deshalb hat Spanien den Billigweinmarkt im Griff und hier sogar Italien überrundet. Wir stehen nicht nur deshalb Spanien und seinen Weinen kritisch gegenüber. In nahezu allen Regionen Spaniens herrscht Aufbruch in eine agrarindustrielle Moderne, die mit Tradition, die es in Spanien durchaus gab, nichts zu tun hat. Der hochsubventionierte agrartechnologische „Fortschritt“ in Spaniens besten Bodegas erreichte binnen kurzer Zeit traurigen Weltstandard. Dabei ist und bleibt vor allem die Rebkultur Spaniens rückständig. Unvorstellbar, mit welcher Brachialgewalt riesige Flächen uralter Carignan- und Grenachereben von Bulldozern eingeebnet werden, um sie in maschinenbearbeitbare Industrieweinflächen umzuwandeln. Dabei werden Reberziehung und Neuanlagen nach minimierten Produktionskosten gestaltet, nicht nach maximierter Qualität. All das geschieht mit Milliardensubventionen seitens der EU. Die haben Spanien schon im Gemüseanbau zum abschreckenden Beispiel gemacht. Was früher Hollandgemüse war (das schließlich keiner mehr essen wollte), kommt heute großindustriell aus Spanien. Beim Wein ist das kaum anders. Ehrgeizige junge „Winemaker“ mit oft fehlender Erfahrung aber großem Selbstbewußtsein produzieren in allen Regionen Spaniens sich mehr oder weniger ähnelnde Agrarindustrietropfen ohne jede Frische, aber voll ausgezehrter Gerbstoffe mit stets gleicher laktischer Holznote, hohem Alkohol, vordergründiger Frucht und den ordinären Kokosmakronenaromen amerikanischer Billigeiche im Bukett. Die Überladung des Weincharakters mit Holzaromen und oberflächlich simpel beeriger "Frucht" sind Handschrift einer Weinmachergeneration, die mit Frische, Charakter und Individualität im Wein nichts am Hut hat.
In Spanien heiligt der schnelle Erfolg die Mittel. Reiche Industrielle stampfen riesige Weinbaubetriebe aus dem Boden, statten sie mit modernster Technik aus und pflanzen, einer Seuche gleich, Tempranillo, Cabernet, Merlot, Syrah, Chardonnay und andere „edle“ Weltrebsorten, die in superchic designten und etikettierten Flaschen teuer verkauft werden. Priorat und Ribera del Duero wurden zu Synonymen dieser Entwicklung. Und weil der Spanier es „grande“ liebt, warten die meisten spanische Betriebe mit Flächen- und Flaschenzahlen auf, die uns höchst mißtrauisch machen. Durch die enormen Investitionen brauchen viele Betriebe schnellen Cash-Flow zur Refinanzierung. Also produziert man große Mengen junger Weine, die sich schnell verkaufen. Durch subventionierten Anbau, subventionierte Mechanisierung und subventionierten Export kann die riesig dimensionierte Weinindustrie Spaniens billiger als andere produzieren und besonders billig verkaufen. Das erklärt den enormen Erfolg seiner Weine im billigsttrinkenden Deutschland. Doch schon leiden erste Betriebe unter Überproduktion. Sie brauchen Geld und bringen prompt manipulierte Billigstweine auf den Markt, verunstaltet durch Wasserzugaben, Verschnitte mit noch wertloseren Weinen und den bekannten Manipulationen.
Spaniens zunehmend industrialisierter und zudem hoch subventionierter Weinbau ist hierzulande populär wie kein anderer. Mit unseren Vorstellungen von handwerklichem Weinbau in überschaubaren Dimensionen kollidiert aber vieles, was auf der iberischen Halbinsel passiert, diametral. Kleine handwerklich arbeitende Spitzenbetriebe muß man dort mit der Lupe suchen. Sie sind in Spanien rarer als anderswo. Wenn sie wirklich gut sind, ist ihr Preisniveau oft so selbstbewußt, daß wir preiswertere unspanische Alternativen haben. Insbesondere nach Parkers Spanien-Elogien der jüngsten Zeit werden für manch nachgefragten Wein aus dem Priorat, der Rioja oder Ribera del Duero teilweise Preise verlangt, die uns zum Lachen bringen. Dann muß es eben, zumindest für uns, nicht Spanien sein. In Spanien große Rotweine zu finden, die nicht nur durch massigen Körper zu überzeugen suchen und an denen nicht das neue Holz das Teuerste ist, sondern Frische, Mineralität, Individualität und Finesse den Preis rechtfertigen, ist nicht einfach. Doch es tut sich was, auch in Spanien. Zumindest an der Spitze hat man erkannt, daß guter Wein anders sein muß, als er bisher war. Auch hier geht der Trend endlich zu weniger Holz und mehr Frische und Finesse. Es gibt sie also inzwischen, die teueren Bouteillen aus spanischer Produktion, die ihren Preis mit ursprünglicher, authentisch spanischer Weinqualität rechtfertigen. Preiswerte Flaschen, die Spaß machen, weil sie im guten alten Sinn des Wortes typisch spanisch sind ohne bloß zu „holzen“, muß man ebenfalls mit der Lupe suchen. Die Auswahl scheint riesengroß. Doch handwerklich solide Qualität, wie wir sie verstehen, ist in Spanien dünner gesät als anderswo. Wir haben uns ein paar wenige Rosinen herausgepickt. Sie passen in unser Konzept und sind eine genüßliche Beschäftigung mit Spanien allemal wert. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Vor Jahren noch belächelt, erfreuen sich die Weine der neuen Welt, allen voran Nordamerikas, inzwischen wachsender Popularität. Dabei genießen vor allem die Weine neuer Generation große Wertschätzung bei informierten Weinfreunden in aller Welt. Man muß freilich sorgfältig unterscheiden zwischen den industriellen Massenweinen und den im wahrsten Sinne des Wortes handwerklich hergestellten Spitzenweinen, die freilich nur einen winzig kleinen Prozentsatz der Gesamtproduktion repräsentieren. Wesentliches Merkmal dieser guten Weine Amerikas, die uns alleine den Importaufwand wert scheinen, ist ihre sehr bewußte handwerkliche Verarbeitung, die auch im guten alten Europa nicht mehr belächelt wird, sondern engagierte Nachahmer findet. Amerika setzt, von der weintrinkenden Öffentlichkeit kaum bemerkt, neue Maßstäbe und hat den Weltweingeschmack deutlich beeinflußt. Trotz aller Kritik am „politischen“ Amerika, vom Irakkrieg bis zur offiziellen Klimapolitik, haben hochwertige Weine aus den USA bei uns wieder Hochkonjunktur. Washington State und Oregon, vor allem aber Kalifornien mit seinen inzwischen bemerkenswert individuell geprägten Spitzenqualitäten, reizen Weinkenner und Weinfreunde in aller Welt durch ihren hohen Genußwert. Aus einstmals simplen Kopien europäischer Weine wurden eigenständige komplexe Weincharaktere. Die spezifischen klimatischen Bedingungen entlang der Westküste der USA sorgen für besonders lange Traubenhängezeiten, die intensive dichte Fruchtwürze in Duft und Geschmack bewirken, integriert in Gerbstoffqualität und Textur, die einmalig sind in der Weinwelt. Wie alle Überseeweine sind auch amerikanische Weine wesentlich geprägt vom Klima, weniger von Lagen oder Böden. Dies manifestiert sich in einer mundfüllenden Pracht an Aromen und Struktur, die nie jenes europäische Mundgefühl entwickelt, das von einem strukturellen Kern rund um die Zunge ausgeht. Die Mineraliengehalte europäischer Böden sorgen für ein „mittiges“, trocken wirkendes Mundgefühl, das sich charakteristisch rund um die Zunge konzentriert, wogegen sich Überseeweine im ganzen Mundraum entfalten und dabei so gut wie nie die Zunge zum Geschmackszentrum werden lassen. Das macht Überseeweine, bis auf wenige Ausnahmen, in Blindverkostungen leicht identifizierbar, weil sie lecker im Sinne von weniger strukturell komplex, als vielmehr sinnlich, zugänglich, zwar durchaus dichter, aber zugleich sanfter und saftiger schmecken, und im Duft eher frucht- und rebsortenbetonter sind als ihre „erdiger“ und herkunftsorientierter wirkenden europäischen Gegenspieler. Das ist keine Frage von besser oder schlechter, Überseeweine schmecken schlicht anders aufgrund ihrer anderen Herkunft.
Kaliforniens Spitzenweine insbesondere stammen von kleinen, sorgfältig arbeitenden Betrieben, die ihre handwerkliche Qualität im Weinberg maßgeblich mexikanischen Arbeitern verdanken, die das Rückgrat des amerikanischen Spitzenweinbaus bilden. Ohne sie ginge in Kaliforniens Weinbau nichts. Sie sind es, die durch präzise und aufwendige Arbeit im Weinberg den Grundstock legen für jene typisch kalifornische Frucht- und Gerbstoffqualität, die Weinkenner in aller Welt begeistert. Der in Kalifornien in den frühen neunziger Jahren einsetzende nachhaltige Trend zu maximal schonender Arbeit im Weinberg und entsprechend sorgfältiger, nichtmanipulativer Verarbeitung im Keller löste Jahre später den entsprechenden Trend bei uns in Europas Spitzenbetrieben aus. Kaliforniens große Weine werden heute nicht mehr belächelt, sondern sind Maßstab geworden,Maßstab für Qualität in jeder Hinsicht. Doch Kaliforniens Weinspitze geht weiter voran. In vielen kalifornischen Weingütern werden die Herausforderungen bezüglich Klima- und Umweltschutz im Unterschied zur Regierung Bush konsequent angegangen. Sie investieren in Solaranlagen und Wärmepumpen und strukturieren ihre Betriebe so um, daß sie mehr Energie ins Netz einspeisen, als sie verbrauchen, und der naturnahe, biologische bzw. biodynamische Weinbau wird in Kaliforniens Spitze bald die Regel und nicht mehr die Ausnahme sein (unsere Website informiert Sie über Details).
Zwei Faktoren trüben allerdings die Freude an kalifornischen Weinen: Zum einen dominiert der amerikanische Journalist Robert M. Parker mit seinen extremen, fast schon genormt wirkenden Geschmackskriterien mehr denn je die Szene; zum anderen geben viele kalifornische Spitzenweine ein Preisniveau vor, das, unabhängig vom günstigen Wechselkurs, der europäischen Marktrealität kaum noch gerecht wird.
Robert M. Parker, dem die Weinwelt viel verdankt, pflegt unbeirrt überreif gelesene Weine mit hohem Alkohol, niedriger Säure und maximal opulenter Struktur als geschmackliches Ideal. Das haben wir in Europa lange begeistert mitgemacht, haben viel dadurch gelernt und die Stilistik manchen europäischen Weines hat sich dadurch verändert. Heute will Parker noch mehr Konzentration, noch mehr Geschmacksverstärkung. Das trennt ihn zunehmend von der weltweiten Entwicklung hin zu zwar konzentrierten und reifen Weinen, die aber Frische und Finesse in sich tragen. Parkers Geschmackskriterien (und Bushs Nationalismus) haben speziell in Kaliforniens Weinszene zu einer regelrechten „Amerikanisierung“ geführt. Viele Winzer konzentrieren und extrahieren, was die Natur hergibt; in ihren Monstertropfen sorgt die Süße extremer Überreife gepaart mit neuem Holz für opulente Pracht im Glas, die extremer und ur-amerikanischer kaum sein kann: big is beautiful. Diesen Supercuvées, die in homöopathischer Dosierung produziert werden, gönnt Parker höchste Bewertungen. Er löst damit nicht nur irreale Preisphantasien aus, er sorgt auch für stabile Nachfrage unter zahlungskräftigen Sammlern, denen Wein nicht extrem genug sein kann - geschmacklich wie preislich. Abgesehen davon, daß viele dieser Weine lächerlich teuer sind, wirkt ihr extremer Charakter grotesk übertrieben. Parkers Tun zeitigt weitere Folgen: Seriöse Winzer, die sich dem Diktat seiner Punkte verweigern, finden bei ihm zunehmend weniger Erwähnung. Dagegen hat sich eine neue Qualitätsszene formiert, die eigenen Kriterien vertraut. Durch seine nicht mehr unabhängig wirkenden, sondern zunehmend fragwürdigen Bewertungen (z. B. in Sachen Klassifikation Troplong Mondots in St. Emilion oder in Spanien und Italien) koppelt er sich von der Dynamik des Marktgeschehen ab und verliert massiv an Glaubwürdigkeit.
Die Weine unserer Winzer sind typisch kalifornisch, aber sie sind trinkig, elegant und fein, natürlich saftig, konzentriert und reif, aber dick sind sie nicht, und fett und süß sind sie auch nicht. Dafür überzeugen sie auch anspruchsvollste europäische Zungen. So ist der unverwechselbar eigenständige Tanninschmelz der Cabernets und Merlots aus Washington State in Fruchtfülle und Finesse unerreicht in der Welt des Weines. Oregons eigenständige Pinot Noirs haben sich einen festen Platz unter den Pinots der Welt erobert mit eigener Ausstrahlung und originärem Profil. Die würzigen, reifen und animierend frischen und komplexen Pinot Noirs und Chardonnays aus Kaliforniens südlichem Santa Maria und Santa Barbara, wo Jim Clendenen von „Au Bon Climat“ vor über 20 Jahren eine qualitative Revolution auslöste, erfreuen sich nicht nur in Europa großer Beliebtheit als rare Burgund-Alternative. Die konzentrierten, eleganten Cabernets der Spitzenlagen von den Höhenzügen links und rechts des berühmten Napa Valley oder des benachbarten Sonoma halten mit ihrer faszinierenden Mischung aus Expressivität und Charme Bordeaux den Spiegel vor. Selbst beim vielgescholtenen Chardonnay kann Amerika nach vielen stilistischen Schwankungen und Exzessen inzwischen Weltklasseniveau beweisen und sich mit den großen Chardonnays Burgunds messen. Und auch Zinfandel, Amerikas vermeintliche Ur-Rebsorte, die genetisch nichts anderes ist als süditalienischer Primitivo, hat sich in den letzten Jahren zu origineller Größe und animierender Eigenständigkeit entwickelt.
An Amerika und seinen seriösen Winzern fasziniert uns der kreative Wille zur Qualität. Ihre Weine haben eine stilistische Identität erreicht, die sie von allen Weinen der Welt unterscheidet. Deshalb verfolgen und pflegen wir die Entwicklung amerikanischer Weine in unserem Programm nach wie vor mit Engagement.
Angebot: Sollten Sie vorhaben, nach Kalifornien zu reisen und an Besuchen auf Weingütern interessiert sein, rufen Sie uns an oder mailen Sie uns. Wir helfen Ihnen gerne auch mit Restaurant- oder Hotelempfehlungen.
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Unser Sortiment Österreichischer Weine bauen wir kontinuierlich aus. In den letzten Jahren erlebten Österreichs Weine einen Aufschwung, der fast atemlos war. Allerdings werden viele Weißweine Österreichs für optimierte Publikumsresonanz auf einfache Fruchtigkeit getrimmt. Ihr Bukett entsteigt dem Glas turboartig, die Rebsorte ist schnell erkennbar und der Duft so „nasig“ wie möglich. Herkunftscharakter, Finesse und Spiel sind bislang weniger gefragt in Österreichs Weinszene, in der mit allen Mitteln der Technik für den Erfolg gearbeitet wird. Noch prägen also primärfruchtige Aromen und leicht verständliche Charaktere den österreichischen Konsum-Weißwein, der traditionell und bevorzugt so jung wie möglich getrunken wird.
Die Rotweine Österreichs genießen inzwischen nicht nur in felix Austria große Popularität. Allerdings müssen sie weich, süß, fett und fruchtbetont daherkommen, um erfolgreich zu sein, können gar nicht konzentriert und dick genug sein, nicht genug Extrakt, Fett, Reife und Alkohol enthalten, um mit feinstem neuem Holz die Geister der Kritiker erfolgreich zu benebeln. Das Rezept funktioniert bestens. Die meisten Winzer Österreichs wissen also vorher, wie ihre Weine hinterher schmecken müssen.
Doch in Österreichs Weinszene gärt es. Eine bemerkenswert große Gruppe renommierter Spitzenbetriebe bricht aus und beschließt mit Blick auf Qualität in Zeiten des Klimawandels die kompromißlose Umstellung auf Biodynamik im Weinberg. Biodynamik für mehr Qualität und noch mehr Individualität. Diese Winzer arbeiten konsequent im Weinberg an der Umstellung auf die natürliche Wachstumsbalance. Doch auch im Keller haben sie erstaunliche Konsequenz beschlossen: Sie praktizieren Maischestandzeiten, spontane Vergärung auf wilden Hefen, langsamen Ausbau auf der Hefe im großen Holzfaß und sie verzichten bewußt auf den so populären Neuholzeinfluß. Ihre Weine sind komplex und anspruchsvoll und wagen ausgeprägten Regionalcharakter. Ihre Weine entstammen angestammten regionalen Rebsorten wie Grüner Veltliner, Riesling, Welschriesling, Traminer, Muskateller, Pinot Noir, St. Laurent oder Blaufränkisch und sind weit weniger vom Ausbau geprägt als von ihrer Herkunft. Sie wagen Charakter, verströmen kraftvolle Mineralität und erkennbare Herkunftsprägung, zeigen Spiel und Finesse und ihre expressive natürliche Ausstrahlung und ihr kühler Charme liefern unverwechselbares Trinkvergnügen. Diesen Weinen und ihren Winzern prophezeien wir eine große Zukunft, ihnen widmen wir unser Österreich-Programm.
Österreichs großer weißer Rebsorte Grüner Veltliner trauen viele Weinfreunde noch immer kaum mehr als den süffigen Heurigen zu. In der Tat wurde die Sorte über Jahrzehnte zu nicht viel mehr als billigem Konsumwein verarbeitet. Doch Grüner Veltliner braucht den Vergleich mit Spitzen-Chardonnays nicht zu scheuen, unter Kennern wird er längst als vollwertige Alternative geschätzt und gehandelt. Großartige eigenständige Veltliner kommen nicht mehr nur aus der Wachau, sondern aus dem Kamptal, dem Carnuntum, dem Weinviertel und auch das Burgenland glänzt mit Veltlinern, die ganz anders ausfallen als gewohnt und das breite Spektrum der anspruchsvollen Rebsorte eindrucksvoll unter Beweis stellen. Die Zukunft dieser vielfältig auftretenden urösterreichischen Rebsorte scheint gerade erst begonnen zu haben.
Brillante Eigenständigkeit beweist Österreich in seinen Rotweinen. Die Rebsorte Blaufränkisch kann mühelos im Konzert der großen Rotweine der Welt mitspielen; ihre aromatische Reife erinnert an Pinot Noir und kann in Transparenz und Finesse nicht minder überzeugen; ihre Gerbstoffqualität kann beeindruckend ausfallen und ihr Charakter so ursprünglich und authentisch wirken, daß sie mit unverwechselbarem Schmelz, raffinierter Frische und würziger Expressivität einen eigenständigen Platz in der Weinwelt besetzt hat.
Es gibt sie also in Austria, die Ausnahmen von der Regel. Winzerpersönlichkeiten, die nicht im globalen Weinsee mitschwimmen, sondern eigene Wege gehen mit Weinen eigenständigen Charakters; Weine, die für Frische und Feinheit, Mineralität und Eigenart ihrer Herkunft stehen; Weine, deren Expressivität Ausdruck ihres Charakters im Spiegel von Umgebung und Historie ist. Diesen Weinen und Winzern widmen wir unser Österreich-Programm. ?
Portugal ist eines der traditionsreichsten, zugleich aber auch noch unbekannten bzw. verkannten Weinbauländer Europas. Immerhin wurde in Portugal 1756 durch die Gründung einer Portweingesellschaft das erste Qualitätsweinbaugebiet der Welt festgelegt. Portugal besitzt aufgrund seiner Vielfalt an alten Rebsorten (angeblich über 400 verschiedene autochtone Rebsorten) und seinem Spektrum an Weincharakteren eine große Zukunft.
Zumindest uns beschäftigt diese Zukunft Portugals zunehmend. Das Land ist eine spannende Fundgrube für eigenwillige, originelle, traditionell hergestellte Rotweine, die in der Vergangenheit oft rustikal, rüde oder ungeschliffen wirkten. Doch das scheint nur eine Frage der Technik und des Wissens, und damit eine Frage der Zeit. In wenigen Jahren schon werden sich Portugals Weine großer Nachfrage erfreuen, denn sie können so herzhaft anders, so herrlich unverfälscht und so unverkrampft originell sein, daß der kundige Weintrinker sie genauso selbstverständlich kaufen und genießen wird, wie er heute spanische oder gestern italienische Weine gekauft hat. Portugals gute Weine unterscheiden sich überaus wohltuend vom Einerlei preisgleicher Überseeweine und den üblichen uniformen Supermarkttropfen. Die schon angesprochene Vielzahl autochthoner Rebsorten und ein selbstbewußter Nationalgeschmack, der sich nicht am internationalen, anonymen Einheitspampf orientiert, wie z. B. der des Nachbarn Spanien, sondern eigenständige Individualität pflegt und wagt, machen Portugals Potential für die Zukunft aus – und das zu meist noch erstaunlich fairen Preisen. In der Spitze haben Portugals große Weine das übliche internationale Niveau, doch hier gibt es sie noch zu entdecken, die Glücksfälle, bei denen (fast) alles stimmt! Portugal ist eines der traditionsreichen, aber noch immer weniger bekannten Weinbauländer Europas. Immerhin wurde in Portugal 1756 durch die Gründung einer Portweingesellschaft das erste Qualitätsweinbaugebiet der Welt festgelegt. In Portugal soll es angeblich rund 400 alte, autochthone Rebsorten geben. Diese enorme genetische Vielfalt und ein breites Spektrum an Weincharakteren machen das Land zu einer spannenden Fundgrube für eigenwillige und originelle Weine. Besonders die Rotweine gebärdeten sich in der Vergangenheit oft rustikal, hart, fast grob und ungeschliffen. Diese bäuerlich rustikalen Weine gibt es in bestimmten Regionen Portugals noch immer reichlich, doch man hat dazugelernt. Im Süden und Westen, besonders im Alentejo, das nicht umsonst das „Napa Valley Portugals“ genannt wird, entstehen heute auf großen Rebflächen süffige, gut strukturierte Rot- und Weißweine, deren international wirkender Tannin-Schmelz in charaktervoller, typisch portugiesischer Geschmackshülle steckt, meist basierend auf lokalen, autochthonen Rebsorten, inzwischen aber auch als Cuvée mit Cabernet, Merlot, Syrah, Chardonnay und anderen Weltrebsorten. Auch hier kämpft man, wie infolge des Klimawandels inzwischen fast überall in Europa, mit den Problemen hohen Alkohols, doch können die guten Weine mit einer charakteristischen inneren Frische brillieren, die gelegentlich etwas grün wirken mag, den Weinen aber eine sehr eigene frische Ausstrahlung vermittelt. Natürlich hat es auch hier in der Aufbruchphase den Überschwang im Sinne von Parkers bevorzugtem Geschmacksideal gegeben und man produzierte dicke, fette, alkoholisch süße Rotweine von monströser Struktur. Doch die guten Winzer aus Bairrada, Dåo, Ribatejo, Setubal und dem Alentejo beweisen zunehmend selbstbewußt eigenständiges Profil, vereinen sensibel Tradition und Moderne und unterscheiden sich damit inzwischen wohltuend vom Einerlei vieler Überseeweine und dem uniformen Geschmacksideal des Nachbarn Spanien. Die Vielzahl autochthoner Rebsorten und ein selbstbewußter Nationalgeschmack, der sich nicht am globalen Einheitsstil orientiert, sondern eigenständige Individualität pflegt und wagt, machen Portugals Potential für die Zukunft aus. Das Douro-Tal im Nordwesten Portugals steht für dieses Potential in besonderem Maße. Das historisch erste abgegrenzte Weinbaugebiet der Welt war über Jahrhunderte bekannt für seine Portweine. Seit Ende der achtziger Jahre erlebt das Dourotal historischen Wandel, denn inzwischen entstehen dort in einer der eindrucksvollsten Kulturlandschaften Europas großartige trockene Tischweine, weiß wie rot. Auf schwer zu bearbeitenden, spektakulär hoch über dem Douro gelegenen alten Schiefer- und Granitterrassen gedeihen die großen Rotweine des Dourotales, die es uns angetan haben. Sie gehören zur Spitze Portugals und beweisen internationales Niveau. Durch die traditionelle Verarbeitung in den Lagares, den großen, flachen Granitbecken, in denen die Trauben sorgfältig mit den Füßen mazeriert werden, verströmen sie bezaubernde Gerbstoffqualität mit einer Fruchtintegration, die sie zu besonderen Weinerlebnissen werden läßt. Das Dourotal zelebriert eine portugiesische Weinkultur, die sich mit den bekannten Weinbaugebieten der Welt messen kann. Zentrum der Entwicklung ist eine Gruppe von Weinmachern und Weingutsbesitzern um Dirk Niepoort, der „seine Douro-Boys“ an seiner Erfahrung und globalen Perspektive in Sachen Weinbau auf eine Weise partizipieren läßt, die selten ist in der Welt des Weines. Dadurch erspart sich Portugal zumindest am Douro jene lähmend egalisierende Önologenflut, die Spanien mit ihren „Weinen nach Rezept“ in der Entwicklung so nachhaltig hemmt und behindert. Portugal ist demgegenüber zurück und zugleich weiter. Portugal besinnt sich auf seine Wurzeln, nutzt seine Tradition, seine uralten, autochthonen Rebsorten und sein Potential an Lagen, um regionalspezifische Rotweine weltweiten Qualitätsanspruches zu produzieren, die aber originell, eigenständig und erkennbar portugiesisch sind und bleiben. Eine Riesenchance für die Zukunft. Noch ist die Bandbreite an Qualitäten in Portugal heterogen und groß. Noch sind viele portugiesische Rotweine rustikal dominiert von einem kernigen Tanningerüst, das Finesse und Spiel kaum zuläßt, das grün und säurebetont im Duft und hart und kantig gerbstoffbetont im Geschmack wirkt und damit wenig Trinkfreude beim Weinfreund aufkommen läßt. Am Douro aber ist Portugal schon auf dem Weg an die Spitze, in eine vielversprechende Zukunft.
Copyright ® Martin Kössler Portugal ist eines der traditionsreichen, aber noch immer weniger bekannten Weinbauländer Europas. Immerhin wurde in Portugal 1756 durch die Gründung einer Portweingesellschaft das erste Qualitätsweinbaugebiet der Welt festgelegt. In Portugal soll es angeblich rund 400 alte, autochthone Rebsorten geben. Diese enorme genetische Vielfalt und ein breites Spektrum an Weincharakteren machen das Land zu einer spannenden Fundgrube für eigenwillige und originelle Weine. Besonders die Rotweine gebärdeten sich in der Vergangenheit oft rustikal, hart, fast grob und ungeschliffen. Diese bäuerlich rustikalen Weine gibt es in bestimmten Regionen Portugals noch immer reichlich, doch man hat dazugelernt. Im Süden und Westen, besonders im Alentejo, das nicht umsonst das „Napa Valley Portugals“ genannt wird, entstehen heute auf großen Rebflächen süffige, gut strukturierte Rot- und Weißweine, deren international wirkender Tannin-Schmelz in charaktervoller, typisch portugiesischer Geschmackshülle steckt, meist basierend auf lokalen, autochthonen Rebsorten, inzwischen aber auch als Cuvée mit Cabernet, Merlot, Syrah, Chardonnay und anderen Weltrebsorten. Auch hier kämpft man, wie infolge des Klimawandels inzwischen fast überall in Europa, mit den Problemen hohen Alkohols, doch können die guten Weine mit einer charakteristischen inneren Frische brillieren, die gelegentlich etwas grün wirken mag, den Weinen aber eine sehr eigene frische Ausstrahlung vermittelt. Natürlich hat es auch hier in der Aufbruchphase den Überschwang im Sinne von Parkers bevorzugtem Geschmacksideal gegeben und man produzierte dicke, fette, alkoholisch süße Rotweine von monströser Struktur. Doch die guten Winzer aus Bairrada, Dåo, Ribatejo, Setubal und dem Alentejo beweisen zunehmend selbstbewußt eigenständiges Profil, vereinen sensibel Tradition und Moderne und unterscheiden sich damit inzwischen wohltuend vom Einerlei vieler Überseeweine und dem uniformen Geschmacksideal des Nachbarn Spanien. Die Vielzahl autochthoner Rebsorten und ein selbstbewußter Nationalgeschmack, der sich nicht am globalen Einheitsstil orientiert, sondern eigenständige Individualität pflegt und wagt, machen Portugals Potential für die Zukunft aus. Das Douro-Tal im Nordwesten Portugals steht für dieses Potential in besonderem Maße. Das historisch erste abgegrenzte Weinbaugebiet der Welt war über Jahrhunderte bekannt für seine Portweine. Seit Ende der achtziger Jahre erlebt das Dourotal historischen Wandel, denn inzwischen entstehen dort in einer der eindrucksvollsten Kulturlandschaften Europas großartige trockene Tischweine, weiß wie rot. Auf schwer zu bearbeitenden, spektakulär hoch über dem Douro gelegenen alten Schiefer- und Granitterrassen gedeihen die großen Rotweine des Dourotales, die es uns angetan haben. Sie gehören zur Spitze Portugals und beweisen internationales Niveau. Durch die traditionelle Verarbeitung in den Lagares, den großen, flachen Granitbecken, in denen die Trauben sorgfältig mit den Füßen mazeriert werden, verströmen sie bezaubernde Gerbstoffqualität mit einer Fruchtintegration, die sie zu besonderen Weinerlebnissen werden läßt. Das Dourotal zelebriert eine portugiesische Weinkultur, die sich mit den bekannten Weinbaugebieten der Welt messen kann. Zentrum der Entwicklung ist eine Gruppe von Weinmachern und Weingutsbesitzern um Dirk Niepoort, der „seine Douro-Boys“ an seiner Erfahrung und globalen Perspektive in Sachen Weinbau auf eine Weise partizipieren läßt, die selten ist in der Welt des Weines. Dadurch erspart sich Portugal zumindest am Douro jene lähmend egalisierende Önologenflut, die Spanien mit ihren „Weinen nach Rezept“ in der Entwicklung so nachhaltig hemmt und behindert. Portugal ist demgegenüber zurück und zugleich weiter. Portugal besinnt sich auf seine Wurzeln, nutzt seine Tradition, seine uralten, autochthonen Rebsorten und sein Potential an Lagen, um regionalspezifische Rotweine weltweiten Qualitätsanspruches zu produzieren, die aber originell, eigenständig und erkennbar portugiesisch sind und bleiben. Eine Riesenchance für die Zukunft. Noch ist die Bandbreite an Qualitäten in Portugal heterogen und groß. Noch sind viele portugiesische Rotweine rustikal dominiert von einem kernigen Tanningerüst, das Finesse und Spiel kaum zuläßt, das grün und säurebetont im Duft und hart und kantig gerbstoffbetont im Geschmack wirkt und damit wenig Trinkfreude beim Weinfreund aufkommen läßt. Am Douro aber ist Portugal schon auf dem Weg an die Spitze, in eine vielversprechende Zukunft.
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Argentinien ist das interessanteste Weinland Südamerikas. Argentinien hat eine alte Weinkultur, trinkt seine Weine zum größten Teil selber und kann mit einer Rebsorte aufwarten, die das Potential für eine große Zukunft hat: Malbec.
In den letzten Jahren floß viel Geld in die argentinische Weinindustrie. Aus aller Herren Länder haben Weinmacher, Industrielle, Abenteuerer und seriöse Winzer in Argentinien investiert, weil sie das famose Potential des Landes erkannten und hoffen, es in klingende Münze verwandeln zu können. Fakt ist, daß es in Argentinien inzwischen große Malbecs zu probieren gibt. Sie allerdings sind nicht billig, also kein Schnäppchen im Sinne des Preises. Qualitativ können es die großen Weine Argentiniens allerdings mit jedem europäischen Spitzenwein aufnehmen, mehr noch - große argentinische Malbecs verströmen eine Persönlichkeit, eine Aura der Unnahbarkeit, eine innere Frische und kühle Seele, die ihnen Faszination verleiht. Vor allem erstklassige Gerbstoffqualität zeichnet großen argentinischen Malbec aus, dicht, kompakt und raffiniert geschmeidig, stellen sie eine eigenen Klasse Rotwein dar, wie sie kein anderes Land der Welt auf ähnliche Weise liefert. Wir werden uns in Argentinien in Zukunft engagieren und an dieser Stelle über die weitere Entwicklung zu gegebener Zeit berichten.